Status Quo

Die rund 100 Doppelhaushälften der Monopolsiedlung werden bislang vollständig mit fossilen Energieträgern beheizt: Etwa 90 Prozent verfügen über einen Gasanschluss, die übrigen 10 Prozent werden mit Öl versorgt. Die ölbeheizten Häuser stehen ausnahmslos im Eigentum des Bundes und werden von der Bundesanstalt für Immobilienaufgaben (BImA) verwaltet.

Seit dem Privatisierungsstopp für Bundesimmobilien im Jahr 2019 stehen zunehmend mehr dieser bundeseigenen Doppelhaushälften leer – derzeit sieben Wohneinheiten, die in den kommenden Jahren grundsaniert werden sollen. Genau hier setzt unser Vorhaben an: Ein gemeinsames Nahwärmenetz erschließt durch seine Skaleneffekte auch für diese Immobilien eine wirtschaftlich vorteilhafte Wärmeversorgung – und verbindet die anstehenden Sanierungen mit einem zukunftsfähigen, GEG-konformen Wärmekonzept für die gesamte Siedlung.

Die Idee: Ein Nahwärmenetz

Da das gesellschaftliche Ziel der Klimaneutralität bis 2045 nicht nur unterstützt, sondern aktiv mitgestaltet werden soll, brauchen die Häuser der Monopolsiedlung in den kommenden Jahren eine alternative Wärmeversorgung. Seit Sommer 2023 planen wir deshalb ein Nahwärmenetz für die gesamte Siedlung.

Als Energiequelle ist ein Erdwärmesondenfeld vorgesehen. Die Sonden nutzen das ganzjährig rund 12 °C warme Wasser aus dem Erdreich, das anschließend über eine Wärmepumpe auf eine Vorlauftemperatur von etwa 70 °C gebracht wird – ausreichend, um auch Bestandsgebäude mit klassischen Heizkörpern zuverlässig zu versorgen.

Unser Engagement

Seit Juni 2024 werden wir bei unserem Vorhaben nicht nur von der Berliner Energieagentur unterstützt, sondern sind auch assoziierter Partner im Forschungsprogramm „Urban Ground Heat“ von Fraunhofer IEE und Gasag Solution Plus. Das Forschungsprogramm wurde bis Dezember 2025 vom Bundesministerium für Wirtschaft und Klimaschutz (BMWK) gefördert. Im Rahmen des Programms erstellte Gasag Solution Plus eine erste Machbarkeitsstudie unter Berücksichtigung verschiedener Lösungswege für klimafreundliche Energielösungen.

Der durchschnittliche Wärmeverbrauch der Häuser liegt derzeit bei rund 24.000 kWh pro Haus und Jahr – das entspricht etwa der Energieeffizienzklasse G. Der vergleichsweise hohe Verbrauch ist auch eine Folge des Denkmalschutzes, der nur begrenzte energetische Sanierungen am Gebäudebestand zulässt. Umso wirksamer ist der Hebel auf der Versorgungsseite: Mit der Umsetzung des Projekts ließen sich pro Haus etwa 4 Tonnen CO₂ pro Jahr einsparen.

Modell Genossenschaft

Zur Umsetzung des Projekts ist die Gründung einer Energiegenossenschaft vorgesehen. Im Vorfeld haben wir zwei Anwohnerbefragungen durchgeführt – zum einen zum tatsächlichen Wärmebedarf der Haushalte, zum anderen zum grundsätzlichen Interesse an einer genossenschaftlichen Lösung. Das Ergebnis ist eindeutig: Sowohl bei den Eigentümerinnen und Eigentümern als auch bei den Mieterinnen und Mietern besteht ein sehr hohes Interesse an einer gemeinsamen Nahwärmeversorgung.